... aus gegebenem Anlass:

Pfr Martin Komarek webGegenüber dem Artikel im Lokalteil der TT vom 17. Oktober 2015 möchte ich als Pfarrer der Stadtpfarre Mariä Himmelfahrt in Landeck folgendes festhalten:

Unser Projekt stand immer unter dem Anspruch der „Restaurierung“ unserer Stadtpfarrkirche, also der weitgehenden Wiederherstellung des ursprünglichen Bauzustandes aus dem 15. Jhd.  Eine bloße Sanierung oder Renovierung war also gerade nicht das Ziel dieses Projektes. Dazu waren zum Einen intensive Untersuchungen der vorhandenen Putzschichten und Bemalungen der Innenhaut unserer Kirche notwendig, bei denen auch die Schäden genau aufgenommen und Methoden zu deren Beseitigung – besonders der Risse und Wasserschäden in den Mauern und Natursteinteilen – zusammen mit Natursteinkonservatoren entwickelt wurden. Zum Anderen versuchten wir konsequent, wo es möglich war, mit Materialen und Arbeitsmethoden auszukommen, die auch in der gotischen Zeit bei unserer Kirche verwendet wurden. Bei all diesen Untersuchungen und tatsächlichen Restaurierungsmaßnahmen standen wir in engem Kontakt mit der Bundesdenkmalamt und dem Bischöflichen Bauamt, mit denen wir die einzelnen Schritte abstimmten und auch ausführlich dokumentierten.

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Aufgrund der Untersuchungen ist zur Restaurierung der Innenhaut der Kirche Folgendes zu sagen: Die Untersuchungen ergaben, daß die Wandflächen unsere Kirche mit einem gotischen Kalkputz versehen waren, der nach Freilegung im Presbyterium noch Spuren einer ornamentalen Bemalung aufwies. Die  floralen Fresken an der Decke des Presbyteriums wurden von den Restauratoren lediglich trocken gereinigt und sind wieder in der ursprünglichen Pracht zu sehen. Die Untersuchungen ergaben weiter, daß die Natursteinflächen an allen  Säulen und an allen Gewölberippen schon in gotischer Zeit geschlämmt, also mit einer dünnen Lasur, die zudem Gesteinsstaub aus  Grinner Tuff enthielt, versehen wurde und daß diese Natursteinflächen eine Linierung aufwiesen – im Presbyterium in schwarz-grauer, im Haupt- und in den Seitenschiffen in roter ‚Caput-mortum‘ – Farbe mit Schattenstrich. Dieser Zustand wurde nach der Herstellung und Fachanalyse einer großen Musterfläche durch unsere Restauratoren wiederhergestellt und überzeugt in seiner Schlichtheit und Authentizität.

Die Wandflächen wurden bereits vor Beginn der Arbeiten im Innen – und Außenbereich der Kirche auch auf ihren Feuchtigkeitsgehalt untersucht. Aufgrund der tw. extrem hohen Feuchtigkeitswerte war es notwendig, den gefährlichen und  nicht diffusionsfähigen  zementhaltigen Innen- und Außenputz aus den 70-er Jahren bis in zur Höhe von etwa 2 bis 3 Meter zu entfernen, um die Mauern austrocknen zu lassen. Mit Hilfe verschiedener sogenannter „Opferputzflächen“, welche zu beiden Seiten des Nordeinganges und auch im Innenraum aufgetragen wurde, wurden die Mauern auf ihren Salzgehalt etc. geprüft, um die richtigen Maßnahmen treffen zu können. Das Bruchstein-Mauerwerk konnte nun über zwei Winterperioden gut austrocknen und die Messungen ergaben wieder einen optimalen Feuchtigkeitswert in den Mauern. Die 5 großen  Mauerausbrüche für Beichtstühle etc. wurden mit kalkvermörteltem Natursteinmauerwerk wieder ausgemauert und so auch die Stabilität der Kirche verbessert.

Wie alte Photographien zeigen, besaß unsere Kirche vom neunzehnten bis zur ersten Hälfte des 20. Jhdts. einen zeittypischen graubraunen Kalkputz, der sich noch am Turm erhalten hat, in den Glimmersteine eingelegt waren, welche  den Mauern je nach Tageslicht  einen besonderen Glanz verlieh. Es konnte nachgewiesen werden, dass dieser Putz erst im 19. Jhdt. aufgebracht wurde.  Dieser  Außenputz hat sich im Laufe der Jahrzehnte  immer wieder großflächig vom Mauerwerk gelöst ( zuletzt am Turm ) und wurde dann immer wieder durch  falschen Zementputz sehr mangelhaft ersetzt.

DSC 1887klAuch das Ölbild aus dem Jahr 1766, das die Übertragung des Wallfahrts- und  Gnadenbildes ‚Maria im Finstern Walde‘, also unsere romanische Statue Maria mit dem Jesuskind, in einer feierlichen Prozession darstellt, zeigt unsere Stadtpfarrkirche mit einer barocken Turmhaube und einem weißen Verputz (hier ein Ausschnitt des Gemäldes). Wir können also gut begründet annehmen, daß unsere Stadtpfarrkirche seit ihrer Erbauung verputzt war. Unverputztes  Natursteinmauerwerk  (welches unbestritten einen besonderen Ausdruck vermitteln würde) in  Frostregionen  könnte der  Nässe und dem Frost nur dann standhalten, wenn es mit wesentlich besserem  Natursteinmaterial als im Falle unserer Kirche und einer diesen  klimatischen Anforderungen  entsprechenden Verfugung ausgeführt worden wäre.  Das konnten wir bereits über die beiden letzten Winter deutlich beobachten. Im kommenden April wird der Außenputz wieder mit einem atmungsaktiven Kalkputz versehen, um diese Schutzfunktion für die Zukunft wieder zu gewährleisten.

Ich bedaure sehr, daß sich der Künstler Reinhold Traxl in seiner völligen Unkenntnis des Ablaufes dieser 4-Jährigen Restaurierung und ebenso der fachkundigen Analysen und Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen durch die Restauratoren, zu massiven und fachlich unhaltbaren  Vorwürfen gegenüber dem Bundesdenkmalamt bezüglich der Restaurierung unserer Stadtpfarrkirche hinreißen ließ. Eine Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Herrn im Denkmalamt, Dr. Reinhard Rampold, mit dem Bauamt der Diözese oder mit Arch. DI Friedrich Falch oder auch mit mir wäre eine verantwortungsvolle Weise gewesen, mit seinen Fragen umzugehen und hätte eine mediale Auseinandersetzung unnötig gemacht. Er hätte auch in konstruktiver Weise gerne den Runden Tisch mit den am Projekt zahlreich beteiligten Restauratoren und Experten  belehren können. Der Restaurierungsausschuss hat sich zum Ziel gemacht, einen detaillierten Restaurierungsbericht samt einer  sehr umfangreicher Dokumentation in den Jahren 2018-2019 zu veröffentlichen und wird,  um allen Interessierten Einblick in dieses Restaurierungsprojekt zu geben, das von Seiten des Bundesdenkmalamtes – Landeskonservatorat Innsbruck – als vorbildlich und in etlichen seiner Ergebnisse als „historisch von großer Bedeutung“ angesehen wird.

Pfr. Martin Komarek, Landeck